Miau
An meine Mutter Ach, wär ich ein Vöglein, ich wüsst, was ich tät: Ich lernte mir Lieder von morgens bis spät. Dann setzt ich mich dort, wo lieb Mütterlein wär, und säng ihr die Lieder der Reihe nach her. Und wär ich ein Schäflein, das hätt' ich im Sinn: Ich gäb alle Wolle dem Mütterlein hin. Die spinnt dann die Wolle und strickt sicherlich zwei Dutzend Paar Strümpfe für sich und für mich. Und wär ich ein Fischlein, ich wüsst, was da wär: Ich tauchte zum Grunde tief unten ins Meer, holt Perlen und Muscheln. Ihr glaubt, nur für mich? Der Mutter die Perlen, die Muscheln für mich. Doch mancherlei möchte ich denn doch wohl nicht sein: Nicht Apfel, noch Kirschen, nicht Wasser, noch Wein. Denn äße man mich oder tränke mich aus, dann hätt meine Mutter kein Kind mehr im Haus. | ![]() |
| Autor: Robert Reinick (1805-1852) |
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